Vampire

veröffentlich am: 16.02.2012

Damals war alles besser. Ich weiß das hört sich sehr nach alten Leuten an, die über die Welt von vor fünfzig Jahren reden, aber auch ich muss das jetzt mal loslassen: Damals war alles besser. Zumindest die Vampire. Vampire, Werwölfe und ähnliche Gestalten erleben bereits seit einigen Jahren eine regelrechte Renaissance in Literatur und Medien und auch unsereins bleibt davon nicht verschont. Erst neulich hatte ich mit einer Kollegin, einer glühenden Verehrerin von Stephanie Meyer und Co., eine Diskussion über den „Modernen Vampir“.

Der „Moderne Vampir“ ist ein cooler, lässiger Außenseiter mit extrem blasser Gesichtsfarbe und einer depressiv-emotionalen Gesamteinstellung, der scheinbar die Frauen mit einem Stock abwehren muss. Irgendwie ist das nicht so wirklich meins. Wenn ich so an meine Studienzeit denke und an Filme wie „Blade“ oder „From Dusk till Dawn“, dann drängt sich mir irgendwie ein anderes Bild auf, im Hinblick auf Vampire. Vielleicht schon mit einem gewissen sinnlich-verführerischen Ansatz, aber trotzdem eher als eine Art Raubtier, das seine Beute lockt, als wilde Bestie, die nach Blut giert und versteckt unter den Menschen lebt. Dieser, ich nenne ihn mal „Klassischer Vampir“, war für mich hinsichtlich solcher Fragen schon immer das Maß aller Dinge. Nachdem ich mich ein bisschen mit der Materie beschäftigt hatte, musste ich mir aber eingestehen, dass auch mein Bild nicht dem „Klassischen Vampir“ entspricht. Denn zurück zu den Anfängen, kommt man nicht umher, sich Bram Stokers „Dracula“ zu betrachten. Hier haben wir wieder einen anderen Vampir Typ: Dracula, der einerseits ganz der kultivierte Adlige ist, sich bei Hof zu benehmen weiß und sich geistige Duelle mit Abraham van Helsing liefert, aber den andererseits auch den Blutdurst, die Grausamkeit und das schlichte Anderssein, das den Grafen von seinen Mitmenschen trennt, ausmacht. In den Karpaten, der alten  Heimat der Vampire, wo der Vampirglaube auch heute noch sehr aktiv ist, ist man der Ansicht, dass Vampire vor allem tote Unholde sind, die jede Nacht Unheil über die Menschen bringen wollen. Wenn man all diese unterschiedlichen Sichtweisen vergleicht, glaube ich, dass der „Klassische Vampir“, den ich in der heutigen Romantasy so vermisse, irgendwo dazwischen liegt. Vielleicht ist der Teenager-Dracula, dem man heutzutage in der Literatur begegnet, einfach eine neue Tarnung, damit die „wahren“ Vampire weiter unentdeckt unter uns leben. Und trotz allem denke ich weiterhin: Damals waren die Vampire besser…oder?


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