Schräger als Fiktion

veröffentlich am: 06.03.2012

Zuerst einmal eine Entschuldigung warum ich solange nichts von mir habe hören lassen: Das Semester neigt sich dem Ende und die Abschlussprüfungen forderten meine volle Aufmerksamkeit.

Aber nun da ich endlich wieder ein bisschen Zeit habe, möchte ich von einer Unterhaltung mit einem Kollegen berichten. Wir treffen uns regelmäßig im Club, welchen ich häufig besuche, und er ist in der Anglistik-Fakultät beschäftigt. Er verfasst zudem öfters mal Kurzgeschichten oder Erzählungen. Er beschränkt sich dabei auf kein bestimmtes Genre, sondern schreibt einfach was im grad so in den Sinn kommt.

Als ich ihn nun letzte Woche im Club traf, war er gerade dabei eine Fantasy-Kurzgeschichte zu schreiben und grübelte nun schon eine Weile über einen passenden Abschluss. Nachdem er nach einer halben Stunde immer noch kein Wort weitergekommen war, legte ich die Zeitung, die ich las, beiseite und fragte ich ihn schließlich wieso er nicht weiterkam und wo sein Problem sei. Er antwortete, dass er mit der Handlung nicht so wirklich voran komme und am überlegen wäre was als nächstes in seiner Geschichte passieren solle. Ich sagte ihm er schreibe doch eine Fantasy-Geschichte und da könne schließlich alles passieren und alles ist möglich.

Daraufhin begann mein Kollege zu lachen und meinte zu mir: „Es ist genau umgekehrt. Die Fantasy, die Fiktion, und eigentlich jedes Romangenre, was ja dahingehend Fantasy ist, als das die Handlung erdacht ist, unterliegt strengen Regeln. Alles muss zu seiner Zeit geschehen und in sich selbst logisch sein sonst ergibt die Geschichte keinen Sinn und niemand will sie lesen. In der wirklichen Welt aber,“ und dabei zeigte er auf meine Zeitung, „ist alles möglich. Alle möglichen Dinge können als allen möglichen banalen Gründen oder Motiven passieren ohne zusammenzuhängen und sich manchmal selbstwidersprechend. Es gibt kein Storyboard und im nächsten Moment kann wirklich alles geschehen.“ Ich war von dieser Antwort sehr beeindruckt. Ich musste zugestehen, dass wenn ich mir als Geschichtsdozent die bisherige Weltgeschichte noch einmal ansehe und wirklich alle Ereignisse, wie banal oder wichtig sie auch sein mögen, betrachte, so muss ich zugeben, dass die Weltgeschichte zwar starke Charaktere hat, aber einen dürftigen Plot. Als ich mich nun wieder meiner Zeitung annahm stand dort in einem Artikel: Mann fast von Toilette erschlagen (Zur Beruhigung: Es geschah beim Abriss eines Hauses). Es scheint so als sei die Realität doch schräger als die Fiktion… oder?


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